BÜCHERMUSIK :

 

Barsortiment

Als Barsortimente werden im Buchhandel Firmen bezeichnet, welche die vertraglich an sie gebundenen Buch(einzel)händler, genannt Kommittenten, auf eigene Rechnung und in eigenem Namen beliefern. Sie erhalten von den Verlagen einen Grosso-Rabatt und verkaufen an die Buchhändler zum üblichen Buchhandelsrabatt und erzielen so ihre Handelsspanne. Die Differenz zwischen dem Einkaufs- und dem Buchhandelsrabatt wird auch als Funktionsrabatt bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name geht auf die Gepflogenheit zurück, Buchbögen bzw. Bücher an Buchhändler ursprünglich nur gegen Barzahlung abzugeben.

Das erste Barsortiment hatte Louis Zander 1852 in Leipzig gegründet; vor allem der Kommissionär Carl Voerster setzte es durch. Die vom Verlag nur broschiert und in großen Partien gelieferten Exemplare wurden einheitlich maschinell gebunden und an den Bucheinzelhandel weiterverkauft. Werbemittel waren sog. „Buchhandelszirkulare“, die sich bald zu umfangreichen Katalogen entwickelten. Dieses kapitalintensive Geschäft führte zu einer stetigen Konzentration, die mit dem Zusammenschluss der Firmen Volckmar-Staackmann-Koch-Cnobloch und K. F. Koehler 1918 einen Höhepunkt erreichte. [1]

Dienstleistung

Die großen Barsortimente halten etwa ein Drittel aller lieferbaren Buchtitel vorrätig [2] und ergänzen ihr Angebot mit fremdsprachigen Titeln, Musik-CDs, Hörbüchern, Software, Spielen usw.

Aufnahmekriterium ist die tatsächliche oder mutmaßliche Verkäuflichkeit der einzelnen Titel. Die Bestellmengen je Titel ermitteln sich aufgrund je Tag, Woche, Monat, Jahr und Vorjahren gespeicherter Absatzmengen. Bei neu erscheinenden Titeln werden Trends, Verlagswerbekampagnen, Buchbesprechungen und vorliegende Vormerkungsmengen (bestellte, aber noch nicht lieferbare, zur (Nach-)Lieferung nach (Wieder-)Erscheinen notierte Mengen) etc. berücksichtigt.

Die Barsortimente unterhalten eigene Lagerhallen. Bücherwagendienste liefern die bestellten Bücher im Nachtsprungverfahren in die Buchhandlungen. Der Bucheinzelhandel wird durch dieses Vertriebssystem meist innerhalb von 24 Stunden beliefert.

Die beiden größten deutschen Grossisten (KNV, Libri) führen als Hilfsmittel für den Buchhändler vollständige, elektronische Lagerkataloge ihrer lieferbaren Bücher, mit Auskunft über evtl. Lieferhindernisse (Meldenummern). Für die von den anderen Barsortimenten geführten Titel ist das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) ein bibliographisches Hilfsmittel. Es weist alle zur Zeit in Deutschland lieferbaren Bücher nach. Die von den Barsortimenten geführten Titel werden entsprechend gekennzeichnet (gesigelt). Der Datenbestand stützt sich allerdings auf die (kostenpflichtige) Titelmeldung der Verlage, ist also nicht immer aktuell. Besonders kleine Verlage und Selbstverlage wissen nicht um das VLB oder scheuen die Kosten.

Die Nutzung des Barsortiments lohnt sich für den Einzelhändler besonders für die Bestellung von Einzelexemplaren vieler verschiedener Verlage, vor allem für das Besorgungsgeschäft, also die gezielte Bestellung von Titeln für den Endkunden. Für alle Sortimente stellt das Barsortiment auch eine Art verlängertes Außenlager dar. Sowohl kleinere als auch größere Buchhandlungen nutzen das Angebot der Barsortimente, sowohl für Kunden- als auch für Lagerbestellungen.

Durch ein Angebot zahlreicher Serviceleistungen versuchen die Barsortimente, auch Großkunden zu häufigeren Bestellungen zu bewegen. Zu diesen Serviceleistungen gehört zum Beispiel die regalfertige Lieferung mit individuellen Angaben (zum Beispiel Abteilung, Warengruppe, Lieferscheinnummer und -Datum) auf etikettierten Büchern.

Trends

Das Verhältnis der Verlage zu den Barsortimenten wird häufig als gespannt bezeichnet. Der Verlag sieht Bestellungen über das Barsortiment als finanzielle Einbuße. Er muss berechnen, ob eine eigene Abwicklung nicht doch kostenintensiver und die Bestellbündelung der Barsortimente kostengünstiger ist. Ein weiteres Problem war, dass durch den Verkauf über die Barsortimente der individuelle Absatz (zum Beispiel bei Exportverkäufen) nicht nachvollziehbar war und somit nicht in die verlagsinterne Diskussion über die Auflagenhöhe und das (Zielgruppen-)Marketing einfließen konnte. Die Barsortimente öffnen sich den Verlagen gegenüber aber für solche Auswertungen. Die Höhe des Funktionsrabatts, aus dem die Barsortimente u. a. ihre Dienstleistungen finanzieren, wird darüber hinaus in der Branche auch immer wieder diskutiert. Für viele kleinere Verlage sind die Barsortimente mit ihren Katalogen und Online-Informationen verkaufsfördernd, weil sie eine Chance für ihre Titel bieten, in den verbreitenden Buchhandel zu gelangen. Andererseits finden auch die konzernunabhängigen, kleinen Verlage, die Rabattpolitik der Barsortimenter „direkt existenzgefährdend“. Die Barsortimente erhöhen ihre Titelzahlen weiter, nehmen so auch eher Titel kleinerer Verlage ans Lager (und listen sie in den Katalogen) (KNV führt nun 450.000 Artikel ständig am Lager. [3]).

Zu den neueren Leistungen der Barsortimente gehören Warengruppenabonnements, sog. “Sorglospakete”. Die Grundidee der Sorglospakete ist die Buchhändler bei Warengruppen zu unterstützen, die der Buchhändler nicht als seine Kernkompetenz einstuft. (zum Beispiel ein allgemeiner Sortimenter den Bereich „Technik“, ein Fachbuchhändler den Bereich „Krimi“ oder Waren aus dem PBS-Bereich (Papier, Büro, Schreibwaren)). Ein Warengruppenpaket besteht aus einer Starterwanne und monatlichen Novitäten. Die Zusammenstellung der Titel erfolgt aus den Abverkaufszahlen der Barsortimente. Verkaufte Titel kann ein Sortimenter zu gleichen Konditionen nachbestellen. Vorteil der Warengruppenpakete für Buchhändler sind gute Konditionen, kein Risiko und wenig Aufwand. Kritiker der Warengruppenabonnements prophezeien, die Buchhandlungen würden ihr Profil verlieren und nur ein uniformes Angebot bereithalten.

Im Zuge der wachsenden E-Commerce und der Popularisierung des Internet seit Mitte der neunziger Jahre haben die großen Barsortimente Libri, Umbreit und Koch, Neff und Volckmar GmbH auch Internetplattformen eingerichtet. Hier sind die kooperierenden Sortimentsbuchhandlung eingebunden, die sich der Endkunde auswählen kann. Die Sortimentsbuchhandlung kann dabei bestimmen wie der Bezug und die Bezahlung der bestellt Ware erfolgt. Ist der Direktbezug gestattet, erfolgt die Lieferung direkt von den Barsortimenten an den Endkunden.

Weblinks zu zu

Einzelnachweise

  1. Wittman, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. München, 1999 2. Auflage Seite 262
  2. Rautenberg, Ursula (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. Stuttgart, 2003 Seite 50
  3. Börsenblatt Online: Chancen des Miteinanders (20.02.2006)
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