BÜCHERMUSIK :

 

Gladenbacher Bergland

Das Gladenbacher Bergland, benannt nach der zentralen Stadt Gladenbach, ist ein bis 609 m hoher Mittelgebirgszug im Rheinischen Schiefergebirge an der Nahtstelle von Rothaargebirge (Norden und Nordwesten), Westerwald (Südwesten), (Östlichem) Hintertaunus (im Süden) und Westhessischem Bergland im Osten. Es liegt in Mittelhessen in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Gießen innerhalb der sogenannten Lahn-Dill-(Dietzhölze-)Schleife. Geringe Anteile des Oberen Lahntals im Nordwesten gehören mit der Stadt Bad Laasphe auch zum Kreis Siegen-Wittgenstein, NRW.

Im System der Naturräume in Deutschland stellt das Gladenbacher Bergland innerhalb der Haupteinheitengruppe 32 – Westerwald die Haupteinheit 320 dar.

Das Gladenbacher Bergland überschneidet sich in weiten Teilen mit dem in westlichere Richtungen umfassenderen und nach Südosten etwas enger gefassten Gebiet des Naturparks Lahn-Dill-Bergland, dessen Grenzen sich nach den Gemarkungen der beteiligten Gemeinden richten. Außerdem gehört es zu nicht geringen Anteilen zum historischen Hessischen Hinterland, weshalb auf die beiden genannten Artikel verwiesen wird, sofern es um Regionalverbände, Kultur und Geschichte geht. Geologie und Bergbau werden dem gegenüber weitgehend im Artikel Lahn-Dill-Gebiet abgehandelt.

Blick auf Bottenhorn in einer leichten Mulde (485 m aufwärts) auf den Bottenhorner Hochflächen. Im Hintergrund die 609 m hohe Angelburg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage und Grenzen

Die markanten Erhebungen am Ostrand des Naturraumes Zollbuche von Norden aus gesehen (von rechts bis zur Mitte): Dreisberg (448 m), Koppe (454 m) und Hemmerich (470 m). Rechts der Mitte erkennt man den entfernteren Dünsberg (498 m), während der Zollbuche-Höhenzug nach rechts in die Bad Endbacher Platte (bis 488 m) übergeht.

An Lahn und Dill begrenzen – im Uhrzeigersinn, begonnen im Norden – neben diversen Gemeinden und Ortsteilen die folgenden Städte das Gladenbacher Bergland:

Die nordwestlichen Übergänge ins Rothaargebirge sind vergleichsweise fließend. Hier wird die Wasserscheide zwischen den Lahn-Nebenflüssen Banfe und Perf als Grenze definiert.

Dem gegenüber fällt die Trennung vom gleichen Höhenzug durch das (noch zum Gladenbacher Bergland gerechnete) Obere Lahntal im Norden vergleichsweise scharf aus.

Nach Nordosten erreicht das Gladenbacher Bergland nicht ganz das Tal der Lahn, da bereits der westlich dessen aufragende Marburger Rücken Teil des Über-Naturraumes Marburg-Gießener Lahntal ist. Hier bildet die diesseitige Elnhausen-Michelbacher Senke die Grenze.

Im mittleren und südlichen Osten ragt das Gladenbacher Bergland dem gegenüber bis dicht ans jenseitige Tal der Lahn.

Im östlichen Süden grenzt das Marburg-Gießener Lahntal das Gladenbacher Bergland scharf vom (Östlichen) Hintertaunus ab, im südlichen Westen ist das Untere Dilltal eine nicht minder scharfe Grenze zum Westerwald.

Auch im nördlicheren Westen begrenzt der Naturraum Dilltal (nunmehr das Obere) das Gladenbacher Bergland. Hier folgt die Grenze allerdings nicht dem Tal der Dill selber, sondern dem ihres linken Nebenflusses Dietzhölze, welches eine klare Trennlinie zum Höhenzug der Struth zieht. Obgleich die Struth vom Höhenprofil her wie ein Ausläufer der Haincher Höhe und damit des Rothaargebirges anmutet, wird sie naturräumlich dem Oberen Dilltal mit hinzu gerechnet.

Die Damshäuser Kuppen mit dem 498 m hohen Rimberg. Der breite, 474 m hohe Wollenberg (links) gehört bereits zum Rothaargebirge

Landschaften

In seiner Struktur weist das Gladenbacher Bergland eine gewisse Ähnlichkeit zum “eigentlichen” Westerwald auf. Indes befindet sich das (analog dem Hohen Westerwald) über 600 m hohe, zentrale Plateau der Bottenhorner Hochflächen nördlich der Mitte und wird vom länglichen, etwa 100 m niedrigeren Höhenzug der Zollbuche durch das Tal der Salzböde nach Süden hin abgegrenzt.

Nach Norden gehen die Hochflächen in den weniger reliefarmen Breidenbacher Grund über, der, nach Westen fließend, nach Norden durch die Lahn getrennt, ins Rothaargebirge übergeht und in jenen Randlagen gut 560 m erreicht.

Nach Südwesten nehmen von den Hochflächen aus im Schelder Wald die Höhen allmählich bis zum Dilltal von Höhen knapp unter 600 m auf knapp über 400 m ab, wobei die durch die Flusstäler zerteilte Landschaft vergleichsweise homogen ist und auch reliefreicher als in den Hochflächen.

Die sehr heterogenen, durch die Lemp voneinander getrennten Höhenzüge im Süden, Hörre (westlich) und Krofdorf-Königsberger Forst (östlich), werden durch die Täler der Flüsse Aar (Niederweidbacher Becken) und einiger Salzböde-Nebenflüsse (Salzbödetal) klar von den nördlichen und zentraleren Höhenzügen abgetrennt. Lediglich an Singularitäten (Dünsberg) werden knapp 500 m erreicht.

Das eigentliche untere Salzbödetal trennt auch, zusammen mit dem zum Oberen Lahntal gezählten Tal der Dautphe, die im Norden knapp 500 m hohen Damshäuser Kuppen im Nordosten vom Rest der Landschaft ab.

Östlich werden die Kuppen nur durch die Elnhausen-Michelbacher Senke vom Marburger Rücken und damit vom Westhessischen Bergland getrennt.

Die Elnhausen-Michelbacher Senke und der äußerste Nordosten der Damshäuser Kuppen mit Auersberg (385 m, links). Im Vordergrund Dagobertshausen, links hinten Elnhausen, beide Marburg

Naturräumliche Gliederung

Das Gladenbacher Bergland untergliedert sich wie folgt:[1]

Der obige Über-Naturraum Lahn-Dill-Bergland darf nicht mit der Region bzw. dem Naturpark Lahn-Dill-Bergland verwechselt werden, deren Struktur sich eher an den beteiligten Kommunen denn an den Grenzen der Mittelgebirgs-Landschaften orientiert.

Das Obere Lahntal und die nordwestlichen Damshäuser Kuppen

Flüsse

Die obigen naturräumlichen Grenzen gliedern sich in der Hauptsache nach den Einzugsbereichen der Lahn- bzw. Dill-Nebenflüsse bzw. nach dem von diesen Flüssen getrennten Landschaften.

Die wichtigsten Fließgewässer sind – neben den nur außen verlaufenden Grenzflüssen Lahn, Dill und Dietzhölze – die Aar, die Salzböde, die Perf sowie, mit etwas Abstand, die Allna.

Im Uhrzeigersinn und damit lahnabwärts und dillaufwärts sortiert, angefangen am Oberlauf der Lahn im Norden, verfügen die folgenden Flüsse über ein Einzugsgebiet von über 20 km²:[2]
(Verlinkt sind die Naturräume je in der Spalte ihres prägendsten Flusses!)

zur Gesamtliste

Name
Mutter-
fluss
Länge
[km]
Einzugs-
gebiet
[km²]
Ab-
fluss
[l/s]
Mündungs-
höhe
[m. ü. NN]
Naturräume
(flussabwärts)
Straßen
DGKZ
DietePerf (l)8,824,64310Breidenbacher GrundB 25325814-6
GansbachPerf (l)11,123,17349Bottenhorner Hochflächen,
Breidenbacher Grund
L 304225814-2
PerfLahn (r)20,0113,131776285Bottenhorner Hochflächen,
Breidenbacher Grund
L 3049,
B 253
258-14
DautpheLahn (r)8,841,81533245Bottenhorner Hochflächen,
Oberes Lahntal
B 453258-16
Elnhauser WasserOhe (l)5,924,25171195Elnhausen-Michelbacher Senke258326-6
OheAllna (l)11,544,28337195Damshäuser Kuppen,
Elnhausen-Michelbacher Senke
L 338725832-6
AllnaLahn (r)19,192,02665172Damshäuser Kuppen,
Elnhausen-Michelbacher Senke
L 3387258-32
WenkbachLahn (r)7,220,77107168Salzbödetal,
Marburger Lahntalsenke
258-332
SalzbödeLahn (r)27,6137,851322164Zollbuche,
Salzbödetal,
Krofdorf-Königsberger Forst,
Marburger Lahntalsenke
L 3050,
B 255,
L 3048
258-34
VersSalzböde (r)8,442,55188SalzbödetalL 306125834-8
BieberLahn (r)13,534,68217155Krofdorf-Königsberger Forst,
Gießener Lahntalsenke
L 3474,
L 3286
258-394
LempDill (l)11,734,97274170Krofdorf-Königsberger Forst,
Krofdorf-Königsberger/Hörre
L 30522584-92
AarDill (l)20,6148,761602210Niederweidbacher Becken,
Hörre/Schelder Wald,
Unteres Dilltal
B 2552584-6
SiegbachAar (r)12,228,67260Bottenhorner Hochflächen,
Zollbuche
- / L 3050,
- / L 3049
25846-6
ScheldeDill (l)12,035,03426221Schelder WaldL 30422584-56
DietzhölzeDill (l)23,788,441431233Rothaargebirge, Oberes DilltalB 2532584-4

Die äußere Umrahmung des Gladenbacher Berglandes durch Lahn und Dill wird im Norden (Oberlauf der Lahn) von der B 62, im Osten von der B 3 Marburg-Gießen (größtenteils autobahnähnlich, im Marburger Gebiet deutlich außerhalb), im östlichen Süden von der B 49 Gießen-Wetzlar (größtenteils autobahnähnlich) und im Südwesten (Unterlauf der Dill) von der A 45 begleitet. Die Bundesstraße 253 Dillenburg-Biedenkopf (s.o.) schließt in etwa die verbleibende Lücke.

Standgewässer

Der wichtigste Stausee im Gladenbacher Bergland ist der Aartalsee (57 ha, 270 m über NN) im Niederweidbacher Becken, gefolgt vom Perfstausee (18 ha, 301 m) im Breidenbacher Grund.

Berge

Geordnet nach den Höhenzügen bzw. Naturräumen, wird das Gladenbacher Bergland u.a. von den folgenden Erhebungen geprägt:
(Lage der Naturräume je innerhalb des Gladenbacher Berglandes und Lage der Berge je innerhalb des Naturraumes)

Daubhaus (552 m, links der Mitte) und Allberg (528 m) am äußersten Ostrand der Bottenhorner Hochflächen. Im Vordergrund der Gladenbacher Ortsteil Runzhausen
Blick von Gießen vorbei an den Burgen Vetzberg (links) und Gleiberg (rechts) zum 498 m hohen Dünsberg
Blick von der B 255 auf Gladenbach. Im zentralen Hintergrund der 357 m hohe Lammerich, links der nördliche Fuß des 361 m hohen Kirchberges.
Das untere Gansbachtal bei Frechenhausen, im Hintergrund der Schwarzenberg (Breidenbacher Grund) und die Sackpfeife.
Der 533 m hohe Schwarzenberg-Ableger Nimerich und Friedensdorf. Rechts im Hintergrund Biedenkopf und der 631 m hohe Sackpfeifen-Ableger Hainpracht
  • Bottenhorner Hochflächen – nordwestlich des Zentrums
    • Angelburg (609 m) – westlich des Zentrums; wird gelegentlich auch zum Schelder Wald gezählt
      • Schmittgrund (590 m) – südlicher Angelburg-Ausläufer, wird gelegentlich auch zum Schelder Wald gezählt
    • Mattenberg (578 m) – nördlicher Westen
    • Kurzbeul (566 m) – äußerster Westen
    • Würgeloh (563,9 m) nördlich Hartenrod / Bad Endbach
    • Madche (560 m) – Nordwesten
    • Daubhaus (551,8 m) – äußerster Osten, nördlich von Rachelshausen
      • Allberg (528 m) – nordöstlich des Daubhaus
      • Hünstein (504 m) – nördlich des Allberges; kein wirklich eigenständiger Gipfel, jedoch mit Aussichtsturm; Namensgeber von Holzhausen am Hünstein
    • Bolzeberg (520 m) – äußerster Nordosten
    • Steffenberg (489 m) – äußerster (westlicher) Norden, namensgebend für die Gemeinde Steffenberg
  • Schelder Wald (im engeren Sinne) – Westen
    • Eschenburg (590 m ü. NN) – Norden, am (sich nordwestlich anschließenden) Dietzhölzetal
    • Hohe Koppe (540,2 m) – Nordosten
    • Stockseite (516 m) – Osten
  • Breidenbacher Grund – äußerster Nord(west)en
    • Hemmerichskopf (562 m) – westliche Nahtstelle zum Rothaargebirge
    • Schwarzenberg (561 m) – Nordosten; Zentrum eines großen zusammenhängendes Waldgebiet südwestlich von Biedenkopf und östlich von Breidenbach
      • Hachenberg (552 m) – nördlicher Vor-Gipfel
      • Nimerich (533 m) – südöstlicher Vor-Gipfel; höchste Erhebung der Gemeinde Dautphetal
    • Schadenberg (545 m) – südwestlich des Zentrums
    • Galgenberg (541 m) – äußerster Südwesten
    • Entenberg (535 m) – nordwestliche Nahtstelle zum Rothaargebirge
  • Zollbuche – Zentrum
    • Hirschhohl (503 m) – nordwestliche Nahtstelle zu den Hochflächen
    • Schönscheid (498 m) – Westen, nordwestlich Günterod
    • Bad Endbacher Platte (bis 488 m) – Zentrum
    • Hemmerich (475,7 m) – Osten; bildet mit Koppe und Dreisberg das Östliche Dreigestirn des Gladenbacher Berglandes
  • Damshäuser Kuppen – Nordosten
    • Rimberg (498 m) – östlicher Norden; mit Aussichtsturm
    • Kappe (494 m) – westlicher Norden
    • Schweinskopf (472 m) – nördlicher Westen, bei Dautphetal-Herzhausen
    • Eichelhardt (465 m) – Nordwesten
    • Dusenberg (457 m) – äußerster Westen, bei Dautphetal-Herzhausen
    • Hornberg (451 m) – äußerster Nordwesten
    • Hungert (412 m) – äußerster Nordosten; pyramidale Kuppe an der Nahtstelle zum Marburger Rücken
    • Auersberg (385 m) – Osten, zwischen Elnhausen, Nesselbrunn und Dilschhausen
    • Donnerberg (370 m) – Südosten, nordöstlich von Gladenbach
  • Krofdorf-Königsberger Forst – Süden und Südosten
    • Dünsberg (498 m) – östliches Zentrum; vulkanische Singularität mit Keltenausgrabungsstätten, Fernsehturm und Aussichtsturm
    • Altenberg (442 m) – nordwestliches Zentrum, Aussichtsturm
    • Ramsberg (ca. 435 m) – Norden; Burg Hohensolms
    • Forst Krofdorf (bis 357 m) – Osten; großes zusammenhängendes Waldgebiet, das den Dünsberg nach Osten mit dem Lahntal verbindet
    • Königsstuhl (348 m) – Süden; eine der südlichsten Erhebungen des Gladenbacher Berglandes
  • Hörre – Südwesten
    • Alteburg (445 m) – im Zentrum
    • Roßberg (392 m) – Nordosten, südlich von Bischoffen
    • Koppe (354 m) – Süden, westlich von Kölschhausen
  • Niederweidbacher Becken – südlich des Zentrums
    • Bergwald (im Osten bis 392 m) – östlich des Zentrums
  • Salzbödetal – nordöstlich, östlich und südöstlich des Zentrums
    • Kirchberg (362 m) – Norden, östlich von Gladenbach
    • Lammerich (357 m) – Norden, südwestlich von Gladenbach
Blick vom Hasenkopf nach Westen auf den Tannenberg (links), den Großen Feldberg und die Erhebungen des Gladenbacher Berglandes mit Dünsberg, Hemmerich, Angelburg, Daubhaus und Rimberg

Literatur

  • Emil Meynen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1953-1962 (Teil 1, enthält Lieferung 1-5), ISBN B0000BJ19E
  • Emil Meynen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1959-1962 (Teil 2, enthält Lieferung 6-9), ISBN B0000BJ19F

Einzelnachweise

  1. Karte und Beschreibung des Gladenbacher Berglandes (Haupteinheit 320) im Umweltatlas Hessen
  2. Flussdaten aus WRRL Hessen

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